Unser Bündner: bärtig, bodenständig und begabt

Tattoo Artist Edwin Boos
Tattoo Artist Edwin Boos

Boos, man sieht dich nie in Hektik ausbrechen und du bist immer gelassen und relaxed, ticken die Uhren anders in den Bündner Bergen?

Ich wohne auf dem Land, die ganze Hektik geht mich nichts an. Ich habe von klein auf gelernt, dass man einfach dran bleiben und sich alles erarbeiten muss. Ich glaube, wenn man sich Zeit lässt und etwas richtig macht, wird das Resultat besser. Je schneller du etwas machst, umso mehr musst danach wieder flicken.

Du hast fast 20 Jahre Erfahrung, rennst aber nicht gleich immer dem nächsten Trend nach.

Und dadurch können sich die Leute auf mich verlassen. Schau mal, tätowieren ist für mich ein solides Handwerk. Ich musste es hart erlernen, hatte anfangs noch Jobs nebenbei um die Ausbildung zu finanzieren. Damals kamen Tattoos erst so langsam in Mode. Heute kaufen sich einige einfach schnell eine Tätowiermaschine und stechen los – einfach so zum Spass, ohne an die Konsequenzen zu denken. Früher konnte man noch keine Maschinen bestellen und gute Nadeln waren schwer zu finden oder man musste sie selber machen. Heute ist alles schnelllebiger, ich habe es noch anders gelernt. Dadurch bin ich immer noch so.

Aber du zeichnest heute auf einem iPad und nicht mehr nur mit Stift und Papier.

Der ganze Technik-Kram hat das Tätowieren positiv beeinflusst. Dadurch lässt sich viel Zeit sparen und die Arbeit wurde einfacher. Wir können heute beispielsweise den Kunden schon viel schneller und einfacher ein Endergebnis zeigen. Das ist schon echt komfortabel geworden. Ich kann mich erinnern, wie ich noch stundenlang in Bibliotheken gestöbert habe, um mich von Fotos und Bildern inspirieren zu lassen. Damals gab es kein Internet. Heute googeln die Kunden ihr Wunschmotiv.

Und somit kommen eine Menge junger Leute, die das gleiche Motiv wollen?

Ja, diese Wellen spürst du natürlich. Die grossen Hypes wechseln fast schon im Monatsrhythmus. Da kommen junge Leute rein, die mit 20 Jahren schon den ganzen Arm oder viele verschiedene Motive auf dem Körper wollen. Das ist der Zeitgeist. Als ich angefangen habe, da gab es einfach die chinesischen Zeichen, Tribals, Delphins für Hausfrauen und ich irgendwann kamen die Arschgeweihe. Heute entwickeln sich die Trends viel schneller.

Und was würdest du dir wünschen?

Dass sich die Kunden ein bisschen mehr Zeit lassen und sich Gedanken darüber machen, was zu ihnen passt. Es geht schliesslich um ein lebenslanges Kunstwerk und nicht um etwas, das man einfach nach ein paar Jahren wieder wegwischen kann.

Kommen wir zu deinem Stil, wie würdest du diesen beschreiben?

Meine Vorlieben sind Tattoos in Schwarz-Weiss, also hell und dunkel im Realistic Style. Ich setze möglichst wenig weiss und Highlights und lasse lieber zwischendurch auch den Hautton mitspielen. Dadurch entstehen Tattoos, die auch in 15, 20 Jahren immer noch genau gleich gut aussehen. Und dabei geht es auch bei meiner Arbeit: Die Tattoos sollen für die Ewigkeit halten.

Wirst du auch noch eine Ewigkeit lang tätowieren?

Ich bin glücklich darüber, wie es jetzt läuft. In meinem jetzigen Beruf habe ich meine Berufung gefunden. Ich kann mich täglich künstlerisch ausleben, ich erlebe unzählige schöne Momente mit Menschen und kann den Kunden viel Freude bescheren. Wenn ich gesund bleibe, dann tätowiere ich sicher noch eine halbe Ewigkeit lang.

Du fährst die Hälfte des Monats rund 1.5 Stunden von Flims nach St. Gallen und wieder retour. Warum tust du dir das an?

Ich mag dieses Studio und ich habe Narrenfreiheit hier! Mit einem Kumpel zusammen führe ich noch ein eigenes Studio in Flims – es ist die Abwechslung, die mich reizt. Hier bei Skin Deep Art arbeite ich mit einem grösseren Team, habe andere Kunden und die Kollegen müssen mich nicht die ganze Zeit ertragen.

Wenn man dich einen Tag lang in Flims besuchen kommt, was machen wir?

Im Winter fahren wir sicher rauf auf den Berg und stürzen uns mit dem Snowboard die Piste hinunter – mit Zwischenstopp in einer urchigen Beiz für ein Mittagessen. Im Sommer relaxen wir am Caumasee, strecken die Füsse ins Wasser und geniessen die herrliche Sicht auf die Berge!