Flockig und rockig durchs Leben gehen: So tickt unsere Tina

„Flockig und rockig durchs Leben gehen“: So tickt unsere Tina.

Unbeschwert, multikulti und chaotisch. Wer sich auf unsere Tina Lee einlässt, der kann sich auf einen unvergesslichen Tattoo-Termin freuen.

Tätowiererin Tina Tattoo Artist Skin Deep Art

Tina, du bist bekannt als chaotisch, laut und schrill. Beim Tätowieren hört man aber fast keinen Mucks von dir.

Genau, that’s me. Beim Tätowieren tauche ich in meine Welt und will einfach die bestmögliche Arbeit abliefern. Natürlich kann man auch mal quatschen und für gute Sprüche bin ich immer zu haben :-D.

Kein Small-Talk beim Tätowieren?

Beim Tätowieren ist mir das Tattoo wichtig. Das ist so der Funke Ernsthaftigkeit, der dann aus mir rauskommt (lacht). Wenn der Kunde etwas erzählen will, dann ist das kein Problem für mich. Oder wenn ich den Kunden von den Schmerzen ablenken muss, erzähle ich auch gern mal was, irgendwelche verrückten Geschichten hab ich immer auf Lager.

Neben der schrillen und verrückten Art bist du auch eine gute Zuhörerin?

Den Kunden tut es manchmal einfach gut, über dies und das zu quatschen. Die Kunden vertrauen mir als Tätowiererin. Da kann es schnell passieren, dass auch viele persönliche Sachen preisgegeben werden. Manche Leute brauchen das einfach. Ich darf ihre Haut als Leinwand benutzen und sie dürfen mich im Gegenzug gerne als Therapeutin beanspruchen. Manche Geschichten gehen dann auch mir unter die Haut und andere sind wiederum urkomisch.

Du kannst dich gut auf andere Menschen einlassen. Findest du Tätowierer sollten empathisch sein?

Ouja, das macht vieles einfacher. Es geht um die Kunden und ihr Tattoo. Natürlich, ich bin Künstlerin, aber ich sehe mich auch als Dienstleisterin. Was nützt es, wenn es super Tätowierer sind, aber der Kunde fühlt sich total unwohl? Tätowieren ist ein Luxus und der Kunde soll sich so wohl wie möglich fühlen. Ich probiere mich auf die Kunden so gut wie möglich einzustellen und ihnen bei mir eine gute Zeit zu bescheren. Ein Tattoo zu bekommen ist ja immer ein Erlebnis, davon möchte man ja auch seinen Freunden erzählen.

Was wärst du geworden, wenn nicht Tätowiererin?

Gelernt habe ich Goldschmiedin. Vielleicht wäre ich heute noch in diesem Bereich geblieben. Auch etwas im sozialen Bereich wäre ein Thema für mich gewesen. Aber bei diesen Jobs wirst du mit Papier und Vorschriften zugemüllt. Ein Eight-to-five-Job wäre nichts für mich. Ich brauche das Wilde, das Unstetige das Unvorhersehbare, das Spontane einfach das Ehrliche und trotzdem das Gefühl mich frei entfalten zu können.

Bei welchen schrägen Tattoo-Wünschen musstest du spontan eingreifen?

Huch da gab es einige… und viele davon erzähle ich lieber nicht. Ich will zu meinen Arbeiten stehen können und mache nicht einfach aus finanziellem Aspekt heraus ein Tattoo. Ein Beispiel erzähle ich hier gerne: Eine 16-Jährige wollte unbedingt ein Strumpfband, sie hatte ihre Mutter irgendwie dazu gebracht, ihr die Unterschrift zu geben. Da kam sofort mein Mami-Instinkt, also fragte ich nach. Die Antwort war, weil das jetzt auch einige an der Schule haben. Neee, sorry, da kann ich nicht zustimmen. So gibt es einige Tattoo-Wünsche, die ich leider ablehnen musste.

Und welche Sachen machst du richtige gerne?

Ich liebe das grafische Mandala, das völlig ausgewogen ist. Gleichzeitig auch BlacknGrey, Realistic gemixt mit sketchy Comics. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Du hast in einem Gespräch mal geschwärmt von Pumuckl, Alf und Super Mario. Woher kommt dieses besondere Interesse?

Das sind die Figuren aus meiner Kindheit! Das war eine Zeit, wo die Kinder noch Kinder sein durften. Als das Leben noch flockiger war, also probiere ich stetig nicht zu vergessen, wie es als Kind war. Das man nicht immer alles so ernst sehen und nehmen muss, einfach immer schön flockig und rockig durchs Leben geht. Am Schluss kommt schon alles gut.

Was können die Menschen lernen aus den Comics?

Dass du im Leben dafür einstehen musst, für das was du willst.